Aravis in Banco Magazine Nr 43 Winter 2008 German and French versions

Auszug der Ausgabe Nr. 43 • Winter 2008

Nachhaltige Investments
Privatangelegenheit

Viele SRI-Fonds verfolgen einen Nachhaltigkeits-Ansatz nur halbherzig.
Sind Private-Equity-Vehikel die besseren Sustainability-Investments?
 

Wie das “BANCO Sustainability Fundranking 2008” zeigt (siehe www.banco.ch, Leitartikel), vermag nur eine Minderheit der in der Schweiz zugelassenen SRI-Fonds gehobenen Nachhaltigkeits-Kriterien zu genügen: Nicht genug damit, dass vielfach das Who is who fossiler Energiekonzerne in den Portfolios zu finden ist; nein, viele Positionen sind von Unternehmen besetzt, die zwar auf den ersten Blick in nachhaltigen Bereichen tätig sind, sich aber bei genauerem Hinsehen oft als “vorbestraft” entpuppen, weil sie gegen Umweltgesetze oder Arbeitsrechte verstossen haben.

Hinzu kommt, dass Fonds bei ihrer Titelauswahl gewissen Zwängen oder Einschränkungen unterliegen: Mindestkapitalisierung oder prozentuale Obergrenze des Portfolioanteils der Titel, Indexzugehörigkeit, Liquidität der Titel und des Portfolios usw. Offensichtlich zwingt dies viele Fonds dazu, ihre Nachhaltigkeits-Ansprüche zu senken und z.B. einen “Best-in-class-Ansatz” zu verfolgen: Dieser investiert mitnichten in für Natur und Gesellschaft “nicht schädliche” Unternehmen, sondern bloss in “weniger schädliche”. Angesichts dieser ernüchternden Bilanz suchen nachhaltig orientierte Anleger, denen “weniger schlecht” nicht gut genug ist, nach anderen Anlageformen, und stossen dabei auf Private-Equity-Vehikel.

Klare Wertvorstellungen

Eine interessante Alternative bieten kotierte Investmentgesellschaften, die ihre Unternehmensselektion ökologischen und ethischen Kriterien unterziehen. Gegenüber Fonds erfreuen sie sich bei ihrer Titelauswahl einer grösseren Freiheit: Sie müssen nichts, aber können (fast) alles. Ihr Anlageuniversum ist nicht auf kotierte Unternehmen beschränkt, sondern umfasst auch “kleine aber feine” pre-IPO-Firmen, die in zukunftsträchtigen Sektoren wie den erneuerbaren Energien, neuen Materialien und Technologien, Gesundheit oder IT besonders häufig anzutreffen sind. Mittels Direktinvestitionen kann eine Investmentgesellschaft  von der Innovationskraft dieser “Perlen” profitieren. Ein Beispiel hierfür ist die (an der SIX Swiss Exchange) kotierte Beteiligungsgesellschaft New Value AG, die nachhaltige Investments im deutschsprachigen Raum tätigt. New Value macht vor, dass eine wirklich nachhaltige Titelselektion möglich ist, wobei die direkten Beteiligungen einen erfreulichen Nebeneffekt mit sich bringen: Man kann den Unternehmen ins ökologische und ethische Gewissen reden – viel intensiver und effektiver, als es einem Fonds jemals möglich wäre (selbst solchen mit aktivem “Engagement-Ansatz”, d.h. Einflussnahme, Dialog und Ausübung der  Stimmrechte)! Dabei kann den Beteiligungsfirmen auch das eigene Verständnis von Corporate Governance beigebracht werden.

Saubere Sicherheit

Die neuen Swiss Limited Partnerships (siehe Kasten) verfügen ebenfalls über Möglichkeiten ausserhalb des Spektrums klassischer Anlagefonds. Der Pionier auf diesem Gebiet ist Aravis AG mit der Energy I LP, die als erste SLP von der EBK zugelassen und am 1.10.2008 lanciert wurde (Laufzeit: 10 Jahre). Auch hier liegt der Fokus in einem Bereich, den man mit Sustainability in Verbindung bringen kann. Denn investiert wird in nicht-kotierte Entwickler und Produzenten von erneuerbaren Energien (und der entsprechenden Infrastruktur wie Windparks und Photovoltaik-Anlagen), die dazu beitragen, die Abhängigkeit von fossilen Energien und den Ausstoss von CO2 zu verringern. Dabei liegt der Investitionsfokus der Energy I LP derzeit auf Italien, einem der diesbezüglich weltweit interessantesten Märkte. Dort sichern staatlich festgelegte (und stetig steigende!), garantierte Prozentsätze des Anteils CO2-freien Stroms eine wachsende Nachfrage – eine rundum “saubere Sache”, die zudem komplett unkorreliert vom Geschehen an den Finanzmärkten ist.                


Für anspruchsvolle Anleger

Beide Formen der geschlossenen kollektiven Kapitalanlage ermöglichen Anlegern also Zugang zu Bereichen, die Fonds teilweise nicht abdecken können oder wollen. Damit kann eine Portfolio-Diversifikation erreicht werden, die in turbulenten Zeiten besonders wünschenswert ist. Beide genannten Private-Equity-Firmen, New Value und Aravis, haben einen geographischen Fokus, der – je nach Auffassung – auf eine spezifische Region konzentriert oder limitiert ist. So haben diese Vehikel gegenüber Fonds zwar ein höheres Risiko, auch aufgrund der Tatsache, dass sie mit ihren Investments in nicht-kotierte Unternehmen nicht die gleiche kurzfristige Liquidität wie Fonds aufweisen. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen den kotierten Investmentgesellschaften und den Swiss Limited Partnerships: Während bei ersteren jedermann Aktionär werden kann, stehen letztere nur qualifizierten Anlegern offen (siehe unten). Doch letztendlich müssen auch Anleger, die mittels Private Equity auf Sustainability-Spuren wandeln, genau wissen, was sie von einem Investment erwarten. Eine unverwässerte, reine Nachhaltigkeit hat ihren Preis, nämlich in Gestalt eines höheren Risikos. Dafür liefert sie aber auch die Gewissheit, nicht den Einschränkungen von Mainstreams-Investments zu unterliegen, sondern an der Spitze des Machbaren zu stehen – mit entsprechendem Gewinnpotenzial: finanziell, aber auch aus ökologischer und ethischer Sicht.

Kevin Hediger
 

Made in Switzerland

Mit dem Kollektivanlagengesetz (KAG) wurde die neue Schweizer Rechtsform der Kommanditgesellschaft für kollektive Kapitalanlagen (KGK) eingeführt. Die “Swiss Limited Partnership” ermöglicht die Bereitstellung von Venture-Kapital nach angloamerikanischem (“Limited Partnership”) und luxemburgischem (“SICAR”, Société d’investissment en capital à risque) Vorbild, wird dabei aber von der EBK bewilligt und beaufsichtigt. Sie gewinnt an Interesse, da Offshore Limited Partnerships zunehmend strenger überwacht werden. Die SLP besteht aus dem geschäftsführenden Komplementär (unbeschränkt haftendem General Partner) und mindestens fünf Kommanditären (auf Kommanditsumme beschränkt haftende Limited Partner). Als Komplementär ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in der Schweiz vorgeschrieben. Kommanditäre müssen qualifizierte Anleger sein, d.h. entweder mit einem Vermögensverwalter (oder einem anderen Finanzintermediär) einen Vertrag abschliessen oder ein Vermögen von über 2 Mio. CHF aufweisen. Auch Pensionskassen, Family Offices und Fund-of-Funds gehören zur Zielgruppe. Die SLP ist steuer-transparent, d.h. Einkünfte werden den Anlegern direkt zugerechnet: Es fallen weder Emissons- oder Umsatzabgaben noch Gewinn-, Kapital- oder Mehrwertsteuern an. (K.H.)